Rinder und Pferde gemeinsam weiden lassen?

Über- und Unterbeweidung in einer PferdekoppelBild vergrößern
Der typischer Anblick einer Pferdeweide: Über- und Unterbeweidung in einer Koppel dicht nebeneinander


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Ausbreitung von Jakobskreuzkraut in überbeweideter Pferdeweide


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Hohe Weidreste ließen sich reduzieren, wenn die Vorweide mit Pferden und die Nachweide mit Rindern erfolgt und die Tiere nicht zu lange gleichzeitig weiden


Rinder auf einer KurzrasenweiseBild vergrößern
Eine dichte Narbe lässt sich durch Rindernachbeweidung erzielen


Die Grünlandnutzung mit Pferden zählt zweifelsohne zur „Hohen Schule“ der Grünlandwirtschaft, denn nur selten findet man Pferdeweiden mit dichter Narbe und leistungsfähigem Pflanzenbestand. Typisch für Pferdeweiden sind hingegen Koppeln mit extrem lückiger Narbe, vielen unbewachsenen, oft stark zertretenen Stellen und häufigem Auftreten von Giftpflanzen wie dem Jakobskreuzkraut. Bei Rinderweiden werden diese Probleme viel seltener beobachtet. Im Folgenden werden daher einige Hinweise gegeben, wie eine leistungsfähigere Grünlandnarbe bei Pferdebeweidung zu erreichen ist.

Dichte, untergrasreiche Weidenarbe

Viele Koppeln zeigen nebeneinander Bereiche, in denen die Narbe extrem tief verbissen ist, neben solchen, in denen das Futter an den Kotstellen überhaupt nicht angerührt wird. Auf anhaltend überbeweideten Stellen breiten sich schnell leistungsarme Arten, wie Gänseblümchen, Breitwegerich, Vogelknöterich, Jährige Rispe, Weißes Straußgras und Fingerkraut aus, während Stellen mit permanenter Unterbeweidung an dem Auftreten von stumpfblättrigem Ampfer, Acker- oder Sumpfkratzdistel, Rasenschmiele, Quecke oder Brennnessel zu erkennen sind. Ein besonderes Problem stellt die Ausbreitung von Giftpflanzen in lückigen Weidenarben dar, die die Flächen für die Pferdehaltung dann wertlos machen. Besonders die Ausbreitung von Jakobskreuzkraut macht Pferdehaltern zu schaffen. Pünktlich zu Jakobi am 25. Juli steht es auch in diesem Jahr überall in Vollblüte und ist wieder mit seinen gelben Blüten in den Grünlandflächen leicht zu erkennen. Es wird von den Pferden auf der Weide nicht vollständig abgeweidet, gelangt dadurch zum Blühen und Aussamen. Der Samen wird dann von den Pferden an den lückigen Stellen in den Boden eingetreten und fängt an zu keimen. Bei fehlender Konkurrenz der alten Narbe kann durch eine Pflanze dann schnell die gesamte Fläche von Jakobskreuzkraut durchsetzt werden. Die wichtigste Maßnahme, dieser Problemverunkrautung auf der Pferdeweide entgegenzuwirken, ist daher die Sicherstellung einer dichten Grünlandnarbe. Alle weiteren Bekämpfungsmaßnahmen kurieren nur am Symptom, behandeln aber nicht die Ursache der Verunkrautung.

Eine gute, dichte Grasnarbe lässt sich auf der Pferdeweide nur mit leistungsfähigen, konkurrenzstarken, ausdauernden Grasarten erhalten, die auch häufigen und tiefen Verbiss vertragen und unempfindlich gegenüber Trittbelastung reagieren. Eine gute Pferdeweide benötigt daher vor allem konkurrenzstarke Untergräser. Die beiden wichtigsten Vertreter dieser Gruppe sind ähnlich wie auch für den Fußballrasen das Deutsche Weidelgras und die Wiesenrispe, zwei Arten, die bei angepasster Nutzungsintensität auf Pferdeweiden auch natürlich auftreten. Das Deutsche Weidelgras wird zwar häufig als ungeeignet für Pferdeweiden eingestuft, weil es im Vergleich zu anderen Grasarten gelegentlich über einen etwas höheren Fruktangehalt (den Auslöser der Hufrehe) verfügt. Gravierender als der Unterschied zwischen den Grasarten ist jedoch der Einfluss der Wachstums- und Witterungsbedingungen auf den Fruktangehalt der Bestände. Bei sonnigem, klaren Wetter und kühlen Temperaturen führen hohe Photosyntheseraten zur Anreicherung des Fruktangehaltes. Bei bedeckter Witterung oder hohen Temperaturen werden diese Speicherkohlehydrate verstärkt abgebaut, sodass die Gehalte in der Pflanze niedriger liegen. Mit Anpassung der Weidezeit und Sicherung einer ausreichenden Bewegung der Tiere lässt sich der Hufrehegefahr wirkungsvoller begegnen als durch den Verzicht auf das wertvolle Deutsche Weidelgras. Soll eine Pferdeweide neu angelegt werden, ist daher als geeignete Mischung für die Pferdeweide die Qualitätsstandardmischung GII o zu empfehlen, eine Mischung aus 53 % Deutschem Weidelgras, 20 % Wiesenschwingel, 17 % Wiesenlieschgras und 10 % Wiesenrispe.

Besonderheiten der Pferdeweide

Um dem Bewegungsdrang der Pferde auf der Weide Rechnung tragen zu können, eignen sich große, möglichst lang geschnittene Koppeln weit besser zur Pferdehaltung als kleine quadratische Flächen. Das Pferd als Steppentier hat einen besonderen Bewegungsdrang. Beim Beschleunigen, Bremsen und Wenden wird die Grünlandnarbe insbesondere bei feuchten Bodenbedingungen extrem belastet. Je kleiner die Koppeln, desto größer die Belastung. Werden Pferde stets auf derselben Koppel gehalten, sind sie zudem einem permanent steigenden Parasitendruck ausgesetzt. Zum Ziele der Flächenhygiene ist daher stets ein Wechsel der beweideten Koppeln oder auch das Zwischenschieben einer Mähnutzung notwendig.

Optimal ist es, wenn die Grünlandbeweidung als Mischbeweidung mit Rindern erfolgen kann. Dadurch können den Pferden größere Flächeneinheiten zugeteilt werden. Rinder weiden die Grünlandflächen gleichmäßiger ab als Pferde und gehen beim Weiden auch näher an die Kotstellen der Pferde. Zudem verteilen die Rinder selbst ihren eigenen Kot gleichmäßiger über die gesamte Fläche, sodass bei der Mischbeweidung eine weniger scharfe Zonierung von über- und unterbeweideten Stellen resultiert.

Weidenutzungssysteme: Kurzrasenweide...

Bei der Weidenutzung werden im Wesentlichen zwei Systeme der Flächenzuteilung unterschieden, die Kurzrasenweide und die Umtriebsweide. Bei der Kurzrasenweide weiden die Tiere ganzjährig auf einer großen Koppel, auf der im Frühjahr und bei starkem Futterwuchs während der Vegetation Flächen für die Winterfuttergewinnung abgetrennt werden. Auf diese Weise wird den Tieren stets Futter in gleichmäßiger Qualität angeboten. Mit dem Wechsel der Mähflächen über die gesamte Weidefläche ist automatisch eine effektive Weidepflege verknüpft. Gut geführte Kurzrasenweiden mit Rindern zeichnen sich stets durch sehr dichte Weidenarben aus. Für die Pferdebeweidung ist dieses System jedoch wegen der Parasitenhygiene problematisch. Kurzrasenbeweidung ist bei der Pferdehaltung nur zu empfehlen, wenn einzelne Pferde in einer größeren Jungrinderherde mitlaufen können. Den Tieren kann dann eine größere Fläche angeboten werden als bei ausschließlicher Pferdebeweidung. Dadurch verringern sich die negativen Auswirkungen der Pferdeweide auf die Weidehygiene und sinkt der Effekt des selektiven Verbisses der Pferde. Bis zu einem Herdenanteil von 25 % Pferde in der Rinderherde kann bei dieser Art der Grünlandnutzung noch eine dichte Narbe sichergestellt werden. Die Pferde können allerdings eine gewisse Unruhe in der Herde verursachen, weshalb Mischbeweidung mit Milchviehherden oder hochtragenden Rindern nicht zu empfehlen ist. Wichtig ist bei dieser Art der Mischbeweidung, die Fläche aufmerksam zu beobachten. Als Hilfsinstrument für die Flächenzuteilung kann der Riswicker Weideplaner (siehe unten) empfohlen werden, ein Excelprogramm, mit dem in Abhängigkeit von Standort, Tierzahl und täglichem Futterbedarf je Tier, die optimale Flächengröße der Weide in den einzelnen Vegetationsabschnitten kalkuliert werden kann. Das Programm entbindet nicht, die Flächenzuteilung stets zu kontrollieren. Dabei ist auch auf Narbenschäden zu achten. Sobald Narbenverletzungen auftreten, ist rechtzeitige Narbenpflege (Nachsaat) angeraten.

... und Umtriebsweide

Bei dem Weidenutzungssystem der Umtriebsweide werden die Tiere alle paar Tage wechselnd in eine neue Koppel getrieben. Um eine dichte Narbe zu sichern, gilt der Grundsatz: kurze Fress- und lange Ruhezeit. Bei Rinderbeweidung strebt man an, dass der Aufwuchs in 3 Tagen von den Tieren abgeweidet werden kann. Bei Pferdebeweidung wäre das auch wünschenswert. Allerdings werden die Koppeln dann für die meisten Herden zu klein, um dem Bewegungsdrang der Tiere zu genügen. Länger als eine Woche sollten die Tiere jedoch nicht auf derselben Koppel bleiben, denn je länger der Verbleib in derselben Koppel, desto stärker die Gefahr, dass die Tiere stets auf derselben Stelle abkoten. Optimal ist es, wenn die Weidefläche in 8 Koppeln unterteilt werden kann. Faustzahlen, zum Flächenbedarf in Abhängigkeit von der Futteraufnahme der Pferde und dem Futterangebot der Grünlandfläche sind in der Tabelle 1 nach Angaben von Elsäßer aufgeführt.

Tabelle 1: Geschätzter Futterflächenbedarf pro Pferd in m²/Tag auf Umtriebsweide (verändert nach Elsäßer, 2003)

    Angaben zum Grünlandbestand
Bestandeshöhe   15 cm 25 cm 35 cm 45 cm
Ertrag (dt TM/ha)   10 20 30 40
Frischmasse kg/m² ca.   0,5 1 1,5 2
Weiderest mind. ca.   20% 25% 30% 40%
Futteraufnahme
(n. GfE,1994, bei täglicher Arbeit)
TM kg/Tag Flächenbedarf je Pferd und Tag in m²
Pferd 200 kg Lebendgewicht 5 60 32 22 18
Pferd 400 kg Lebendgewicht 6 72 38 27 22
Pferd 600 kg Lebendgewicht 9 108 57 40 32
Pferd 800 kg Lebendgewicht 13 156 82 58 47
Milchkuh bei Ganztagsweide 16 180 101 71 58

Auch bei der Umtriebsweidehaltung ist es ebenfalls interessant eine kombinierte Rinder- und Pferdebeweidung durchzuführen. Da die Koppeln aber kleiner sind als bei der Kurzrasenweide ist die gleichzeitige Mischbeweidung mit Pferden und Rindern nur bei wenigen und sehr ruhigen Pferde angesagt. Bei Umtriebsweidenutzung ist es günstiger, die Pferde und Rinder nicht gleichzeitig, sondern getrennt hintereinander weiden zu lassen. Dient die Weide eher zum Auslauf als zur Futteraufnahme der Pferde, wird man die Pferde in der von den Rindern abgeweideten Koppel nachweiden lassen. Bei dieser Nutzung kann man eine dichte Narbe halten, wenn die Koppelgröße so bemessen wird, dass die Rinder die Koppel in drei Tagen leerweiden und die Pferde anschließend noch 3 Tage in der Koppel laufen. Regelmäßiger Weideauftrieb bei geringen Aufwuchshöhen von 15 – 25 cm gewährleistet am sichersten die Ausbildung einer dichten Weidenarbe und vermindert gleichzeitig die Weidereste. Nach Weideabtrieb ist es meist angebracht, die Koppel bei trockener Witterung abzuschleppen, um die Pferdeäpfel zu verteilen. Die Koppel hat anschließend genug Zeit, zu regenerieren. Dient die Weide nicht nur als Auslauf, sondern als Hauptfutterquelle für die Pferde, sollte man die Pferde vorweg weiden lassen. Die Pferde weiden zunächst selektiv, aber die nachweidenden Rinder stellen anschließend einen gleichmäßigen Verbiss der Narbe sicher. Auf diese Weise wird der Futterzuwachs auf der Weide am effektivsten genutzt.

Narbenschäden frühzeitig reparieren!

Auch bei vorausschauender Flächenzuteilung lassen sich auf der Pferdeweide Narbenschäden nie vollständig ausschließen. Selbst bei der kombinierten oder wechselnden Beweidung mit Rindern können Lücken entstehen. Gute Weideführung bedeutet, diese frühzeitig zu erkennen und auszubessern. Regelmäßige Nachsaat kann der Entstehung von Lücken vorbeugen. Für diese regelmäßige Nachsaat eignet sich bevorzugt die Qualitätsstandardmischung GV, die im Handel mit dem Qualitätssiegel der Landwirtschaftskammer versehen ist, wenn sie die von der Landwirtschaftskammer empfohlenen, besonders konkurrenzstarken und ausdauernden Sorten enthält. Das rote Qualitätssiegel kennzeichnet Mischungen mit geeigneten Sorten für die Mittelgebirgslagen und das orange Siegel Mischungen mit Sorten für die Niederungslagen. Da das Saatgut der empfohlenen Sorten oft knapp ist, lohnt es sich, sich frühzeitig mit Saatgut zu versorgen. Die Nachsaat ist bei Weidenutzung im Prinzip während der gesamten Vegetationsperiode möglich, weniger allerdings in der aktuellen Trockenperiode. Derzeit ist es sinnvoll bis Mitte oder Ende August zu warten. In der Regel lässt dann die Gefahr, dass die Keimpflanzen nach der Saat vertrocknen deutlich nach. Die Nachsaat hat dann gute Chancen, sich vor Winter noch ausreichend zu bestocken.

Kurz gefasst:

  • gutes Weidemanagement sichert dichte Grünlandnarbe und verhindert die Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes
  • Gute Pferdeweiden mit dichten Narben sind am sichersten mit konkurrenzstarken und ausdauernden Untergräsern wie dem Deutschen Weidelgras und Wiesenrispe zu erhalten
  • Vorteil der kombinierten Rinder- und Pferdebeweidung ist, dass größere Weidekoppeln zugeteilt werden können, dadurch verringern sich Narbenschäden und zeigt sich dennoch verbesserter Verbiss und bessere Futterausnutzung
  • Kurzrasenweide gewährleistet bei Rinderbeweidung eine sehr dichte Narbe, ist bei Pferdebeweidung aber problematisch wegen des erhöhten Parasitendrucks und eignet sich nur zur Weidehaltung einzelner ruhiger Pferde in großer Rinderherde
  • Umtriebsweidenutzung eignet sich bevorzugt für die kombinierte Rinder- und Pferdebeweidung, wenn Rinder- und Pferde die Flächen nacheinander beweiden, wobei zwei Möglichkeiten bestehen:
    • Weidenutzung als Pferdeauslauf: Vorweide mit Rindern, Nachweide mit Pferden
    • Pferdeweide zur ganztägigen Weidehaltung ohne Zufütterung: Vorweide mit Pferden, Nachweide mit Rindern

Autor: Dr. Clara Berendonk