Nachfrage nach Hornlosbullen steigt an

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Hotspot P wird in der Hornloszucht Spuren hinterlassen. Foto: Wilhelm Lemm, KeLeKi

Das Zuchtwertschätzsystem für alle Rassen ist nicht statisch, sondern wird bei neuen Erkenntnissen immer auf den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung gebracht. Die Umstellung der Schätzformeln erfolgt regelmäßig zum Frühjahrszuchtwertschätztermin.

In diesem Jahr gibt es eine deutliche Veränderung im Schätzsystem bezüglich der Nutzungsdauer. Wurde diese in der Vergangenheit unter Berücksichtigung diverser Hilfsmerkmale berechnet, wird ab diesem Schätztermin der Zuchtwert für Nutzungsdauer auf der Basis ‚Überleben verschiedener Lebensabschnitte‘ berechnet. Insgesamt sind von der Erstkalbung an neun Lebensabschnitte definiert. Zur Zucht verkaufte Tiere werden dabei natürlich nicht als Abgang eines Tieres betrachtet. Der erste dieser neun Lebensabschnitte ist die Zeit von der Erstkalbung bis zum 50. Tag der Laktation. So bekommen Bullen mit Töchterinformationen schon frühzeitig auch einen Zuchtwert für Nutzungsdauer. Berechnet wird dieser Zuchtwert bei den jungen töchtergeprüften Bullen, sobald mindestens Informationen aus 10 Betrieben/Bulle vorliegen.

Änderungen gibt es auch für die Berechnung der Zuchtwerte für die Verzögerungszeit sowie die Kalbemerkmale. Damit werden diesmal die Änderungen in der Tabelle sowohl durch die Basisverschiebung als auch durch die Modelländerung begründet. Bei der Basisverschiebung sind ab sofort die Kuhgeburtsjahrgänge 2012 bis 2014 Basis für die Zuchtwertschätzung (bisher 2011 bis 2013).

  RZM RZS RZE RZN RZR RZKm RZG
SBT -1,7 -0,8 -2,3 -4,2 -1,5 -1,6 -3,6
RBT -1,6 -0,4 -2,2 -1,7 -0,5 -2,1 -2,4

Aktuelle Hornlosbullen im Überblick

Mit der Düsseldorfer Erklärung gab es auch die Vereinbarung, alle in Deutschland verfügbaren Hornlosbullen zu publizieren. In der Tabelle finden sich bei ‚vit‘ Verden vorhandenen Hornlosbullen, die auch einen RZG aufweisen.

Der Anteil an Hornlosbullen in der Besamung hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Besonders begehrt sind reinerbige Bullen mit diesem Merkmal, bei denen das Enthornen komplett entfällt. Wichtig in den Holstein-Zuchtprogrammen bleibt die Anforderung, dass Hornlosbullen nicht nur diese Eigenschaft haben, sondern neben der begehrten Hornlosigkeit auch im Leistungs- und Exterieurbereich mit konventionellen Bullen auf Augenhöhe mithalten können. Mit Hotspot P steht bei den genomischen Jungbullen ein Spitzenvererber mit RZG 161, der bereits in zahlreichen Anpaarungen zur Produktion neuer Genetik zum Einsatz gekommen ist. Häufig wurde er auf heterozygot hornlose Jungrinder angepaart, immer in der Hoffnung, reinerbige Vererber für die kommende Generation zu erzeugen.

Die Arbeiten wurden teilweise finanziert durch das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Landesinitiative des Landes NRW.

Autor: Dr. Werner Ziegler